Französische KI: wer sie macht, wo sie läuft, was sie garantiert

Mistral, LightOn, Albert: Was eine KI aus Frankreich wirklich verspricht, was nicht, und wie du die richtige für deine Texte auswählst.

Veröffentlicht am 11 Min. Lesezeit

Die bekannteste französische KI kommt von Mistral AI, einem Pariser Unternehmen, das den Assistenten Vibe (früher Le Chat) und offene KI-Modelle entwickelt. Drumherum: LightOn für Unternehmen, die Labore Kyutai und H Company und Albert, die KI des französischen Staates, die nur Beschäftigten der Verwaltung offensteht. Doch „französisch“ garantiert nur eins, den Sitz des Anbieters: Wo deine Texte verarbeitet werden, bei welchem Hoster und unter welchem Recht, musst du gesondert prüfen.

Alles Folgende wurde am 22.10.2026 auf den offiziellen Seiten der Anbieter, der ANSSI (der französischen Behörde für Cybersicherheit, vergleichbar mit dem BSI) und der Europäischen Union erhoben. Die Landschaft ändert sich schnell: Zwei der unten genannten Unternehmen werden gerade übernommen.

Welche französischen KI-Anbieter gibt es 2026?

Was es ist Für wen Zugang
Mistral AI (Paris) der Assistent Vibe (früher Le Chat) und KI-Modelle, mehrere davon offen alle, Privatpersonen und Unternehmen begrenzter Gratistarif, Bezahltarife
LightOn (Paris) eine KI-Plattform zum Suchen und Arbeiten in den Dokumenten eines Unternehmens Unternehmen und Verwaltungen auf Anfrage; auf den eigenen Servern des Kunden installierbar
Kyutai (Paris) ein offenes Forschungslabor (Sprache, Übersetzung: Moshi, Hibiki) Forschende und Entwickler Modelle frei veröffentlicht
H Company (Paris) KI-Agenten, die für dich einen Computer bedienen (Holo-Modelle) Unternehmen und Entwickler Unternehmenstarife, eine kostenlose Chrome-Erweiterung
Lucie (Linagora, OpenLLM France) ein offenes Modell, trainiert von einem französischen Unternehmen und einer Forschungsgemeinschaft Entwickler herunterladbares Modell, Apache-2.0-Lizenz
Albert (DINUM, französischer Staat) die KI der französischen Verwaltung, die offene Modelle auf Servern in Frankreich betreibt nur Beschäftigte des Staates nicht öffentlich zugänglich (was Albert ist)

Quellen: mistral.ai, lighton.ai, kyutai.org, hcompany.ai, Modellkarte von Lucie-7B, ia.numerique.gouv.fr (auf Französisch).

Wer im Büro eine KI zum Schreiben sucht, findet heute nur bei einem dieser Unternehmen einen Assistenten für alle: Mistral AI. Die anderen verkaufen an Unternehmen oder veröffentlichen Modelle für Entwickler.

Mistral AI, die meistgenutzte

  • Der Sitz: eine vereinfachte Aktiengesellschaft (SAS) mit Sitz in Paris, 15 rue des Halles (Impressum).
  • Der Assistent: Le Chat heißt seit dem 28. Mai 2026 Vibe, laut Ankündigung von Mistral. Es gibt einen Gratistarif mit „begrenzten“ Nachrichten sowie die Tarife Pro, Team und Enterprise (Preise).
  • Die Daten: „Standardmäßig werden deine Daten in der Europäischen Union gehostet“, doch je nach genutzter Funktion „können sie vorübergehend außerhalb der Union übermittelt werden“ (Mistral-Hilfe, auf Englisch, 12.08.2026).
  • Das Training: Bei Privatnutzern dienen deine Unterhaltungen standardmäßig dem Training der Modelle, außer du schaltest es ab; der Enterprise-Tarif ist standardmäßig ausgenommen (Mistral-Hilfe, auf Englisch, 03.09.2026).
  • Die offenen Modelle: Die meisten stehen unter der Apache-2.0-Lizenz, die eine freie Nutzung erlaubt, auch im Unternehmen. Das gilt etwa für Mistral Small 4 (März 2026). Manche Modelle haben eine strengere Lizenz für große Unternehmen (Mistral-Hilfe, auf Englisch).
  • Das Kapital: Im September 2026 hat Mistral AI 3 Milliarden Euro eingesammelt, bei einer Bewertung von mehr als 21 Milliarden; angeführt wurde die Runde von Samsung Electronics (Mitteilung). Ein französisches Unternehmen kann ausländische Anteilseigner haben: Bei den meisten großen Start-ups ist das so.

Und im übrigen Europa?

  • DeepL, der Übersetzungsdienst, ist ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Köln (Impressum).
  • Aleph Alpha, die deutsche KI aus Heidelberg, hat am 16. September 2026 eine Vereinbarung zum Zusammenschluss mit Cohere unterzeichnet, einem kanadischen Unternehmen; die gemeinsame Gruppe soll Cohere heißen, mit Doppelsitz in Berlin und Toronto, vorbehaltlich der Genehmigungen (Ankündigung von Cohere, auf Englisch).
  • Black Forest Labs in Freiburg im Breisgau entwickelt Bildmodelle (FLUX).
  • Silo AI, das finnische Labor, wurde im August 2024 vom US-Konzern AMD übernommen (Mitteilung von AMD, auf Englisch).
  • Die Europäische Union hat im Februar 2025 InvestAI gestartet, einen Plan, der 200 Milliarden Euro mobilisieren soll, davon 20 Milliarden für KI-„Gigafabriken“ (Europäische Kommission, auf Englisch).

Die Lehre aus dieser Liste: Die Nationalität eines KI-Unternehmens kann sich innerhalb eines Jahres ändern. Prüfe sie, wenn du wählst, nicht in einem Artikel von 2024.

Was „französisch“ garantiert, und was nicht

Eine „französische“ KI beantwortet eine von drei Fragen.

Drei Karten: Sitz (französisches Unternehmen, abgehakt), Hosting (bei wem? Fragezeichen), Recht (der unterschriebene Vertrag). Die Flagge beantwortet nur die erste

1. Wer steht dahinter? Das ist die einzige Frage, die die Flagge klärt. Ein Unternehmen nach französischem Recht unterliegt französischem und europäischem Recht, darunter der DSGVO. Trotzdem lohnt der Blick auf die Gesellschaft, die deine Nutzungsbedingungen unterzeichnet. Hugging Face, die große Plattform für KI-Modelle, wurde von drei Franzosen gegründet, doch die Muttergesellschaft Hugging Face, Inc. ist amerikanisch, und ihre Datenschutzerklärung hält fest, dass „das Unternehmen und seine Server sich in den Vereinigten Staaten befinden“; die Pariser Gesellschaft ist ihre Niederlassung in der EU (Datenschutzerklärung, auf Englisch). Dazu hat NVIDIA am 3. September 2026 eine Vereinbarung zur Übernahme angekündigt, die noch nicht abgeschlossen ist (Ankündigung von NVIDIA, auf Englisch).

2. Wo laufen deine Daten, und bei wem? Das sagt die Flagge nicht. Ein französisches Modell kann bei einem amerikanischen Hoster laufen: Mistral AI hat seine Modelle zum Beispiel schon im Februar 2024 auf Microsoft Azure angeboten (Ankündigung, auf Englisch). Umgekehrt betreibt Albert auf französischen Servern offene Modelle, darunter einige, die OpenAI veröffentlicht hat. Für deine Texte zählt, wo sie verarbeitet werden und welches Unternehmen diese Server betreibt.

3. Welches Recht gilt? Das hängt vom Vertrag ab, und von der Nationalität jedes Glieds in der Kette. Der CLOUD Act, ein US-Gesetz von 2018, verpflichtet einen Anbieter, der US-Recht unterliegt, auf rechtmäßige Anordnung die Daten herauszugeben, die sich in seinem Besitz, seiner Obhut oder unter seiner Kontrolle befinden, auch wenn sie außerhalb der USA gespeichert sind (18 U.S.C. § 2713; mehr in CLOUD Act). Ein amerikanischer Hoster in Frankreich oder Deutschland bleibt ihm unterworfen. Übermittlungen an zertifizierte US-Unternehmen erlaubt außerdem ein EU-Beschluss vom 10. Juli 2023, das Data Privacy Framework (Beschluss 2023/1795). Das Gericht der EU hat ihn am 3. September 2025 bestätigt (Pressemitteilung des Gerichtshofs), doch ein Rechtsmittel vor dem Gerichtshof läuft: Dieser Rahmen kann noch fallen, wie seine beiden Vorgänger. Was das für dein Unternehmen bedeutet, ist eine Frage für deinen Datenschutzbeauftragten oder deine Rechtsabteilung (die Regeln der DSGVO stehen in KI und DSGVO); die Angebote von OpenAI sind unter diesem Blickwinkel in ChatGPT im Unternehmen beschrieben.

Wo werden französische KIs gehostet?

In Frankreich ist der strengste Maßstab für einen Hoster SecNumCloud, die Qualifizierung der ANSSI. Sie ist eine französische Regelung, keine europäische. Ihre Version 3.2 (März 2022) ergänzt Kriterien zum Schutz vor außereuropäischen Gesetzen wie dem CLOUD Act (Anforderungskatalog, auf Französisch). Eine Qualifizierung gilt für ein bestimmtes Angebot eines Hosters, nicht für das ganze Unternehmen, und sie hat ein Ablaufdatum. In Deutschland gibt es kein direktes Gegenstück: Am nächsten kommt der Kriterienkatalog C5 des BSI, der anders funktioniert (ein Prüfbericht statt einer staatlichen Qualifizierung). Mehr dazu in SecNumCloud.

Hoster SecNumCloud am 22.10.2026 Betroffene Angebote
OVHcloud qualifiziert drei Infrastrukturangebote, darunter „SNC Cloud Platform“ (bis 2029)
Outscale (Dassault Systèmes) qualifiziert „IaaS Cloud on Demand“, bis 30.11.2026
Cloud Temple qualifiziert zwei Angebote, bis 2028
S3NS (Thales, Google-Cloud-Technologie) qualifiziert sein Trusted-Cloud-Angebot, seit 17.12.2025
Numspot qualifiziert für die Infrastruktur, für den Rest in Arbeit bis 2029
Bleu (Orange und Capgemini, Microsoft-Technologie) Qualifizierung in Arbeit —
Scaleway (Gruppe iliad) Qualifizierung in Arbeit —

Erhoben am 22.10.2026 im Katalog der Qualifizierungen der ANSSI (aktualisiert am 16.10.2026, auf Französisch) und in ihrer Liste der laufenden Qualifizierungen (auf Französisch).

Zwei Einschränkungen. Ein qualifizierter Hoster macht die KI, die darauf läuft, nicht automatisch qualifiziert: Der KI-Dienst selbst muss das qualifizierte Angebot nutzen. Und „in Arbeit“ heißt nicht qualifiziert: Ein bei Scaleway oder Bleu gehosteter Dienst darf sich heute nicht SecNumCloud nennen. Scaleway, das KI-Modelle in einem Rechenzentrum in Paris anbietet (Dokumentation, auf Englisch), ist außerdem seit 2024 nach HDS zertifiziert, der französischen Zertifizierung für das Hosting von Gesundheitsdaten (Ankündigung, auf Französisch).

Wie wählst du eine französische KI aus?

Stell vor der Wahl diese fünf Fragen, und such die Antworten in den Unterlagen des Anbieters, nicht in seiner Werbung:

Von der meisten zur geringsten Kontrolle: auf deinem PC, in Frankreich gehostet, in der EU gehostet, US-Anbieter
  1. Welches Unternehmen unterzeichnet die Nutzungsbedingungen? Name, Land, Muttergesellschaft.
  2. Wo werden deine Texte verarbeitet, und bei welchem Hoster? Die Seite „Wo werden meine Daten gespeichert“ oder die Liste der Unterauftragsverarbeiter (oft in einem „Trust Center“).
  3. Werden deine Texte zum Training der Modelle genutzt? Und ist diese Einstellung standardmäßig aktiv?
  4. Wie lange werden sie aufbewahrt? Nach deiner Anfrage, nach dem Löschen einer Unterhaltung.
  5. Gibt es einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) für dein Unternehmen, und hat der Hoster eine Qualifizierung oder Zertifizierung, die du auf der Website der zuständigen Behörde prüfen kannst?

Je nach Fall:

  • Für private Zwecke oder unkritische Texte: Mistral Vibe, mit abgeschaltetem Training in den Einstellungen.
  • Für ein Team: ein Business-Tarif mit AVV, Daten in der EU und vom Administrator abgeschaltetem Training.
  • Für sensible Daten oder eine französische Ausschreibung, die SecNumCloud verlangt: ein Dienst auf einem qualifizierten Angebot, am Tag der Wahl auf cyber.gouv.fr geprüft.
  • Damit deine Texte nirgendwohin gehen: eine KI, die mit einem offenen Modell auf deinem eigenen Computer läuft. Nur hier stellt sich die Frage nach dem Hoster gar nicht.

Genau das macht Keypop im kostenlosen Tarif: Die lokale KI läuft auf deinem Computer, gratis, du brauchst nur ein kostenloses Konto mit deiner E-Mail-Adresse. Der Pro-Tarif ergänzt eine souveräne Cloud-KI, gehostet in Paris bei Scaleway (SecNumCloud-Qualifizierung in Arbeit), ohne deine Texte zu speichern; im Automatikmodus übernimmt sie auf Rechnern mit weniger als 12 GB Arbeitsspeicher und bei manchen Schreibaufgaben.

Die Fallen, die du vermeiden solltest

  • „Französische KI“ auf einem Werkzeug, das ein amerikanisches Modell weiterverkauft. Viele in Frankreich entwickelte Werkzeuge stützen sich auf Modelle von OpenAI, Anthropic oder Google: Das Unternehmen ist französisch, die Verarbeitung nicht unbedingt. Ihre Liste der Unterauftragsverarbeiter verrät es.
  • „In Frankreich gehostet“ bei einem amerikanischen Hoster. Die Server stehen in Frankreich, für den Hoster kann US-Recht gelten.
  • „SecNumCloud-qualifiziert“ ohne nähere Angabe. Prüfe den genauen Namen des Angebots und sein Ablaufdatum im Katalog der ANSSI.
  • Ranglisten „französischer KI-Start-ups“: Sie mischen Assistenten, Bildwerkzeuge und Forschungslabore und sagen nichts über deine Daten.

Mehr zu KI, die in Frankreich und Europa gehostet wird: Ratgeber Souveränität.

Häufige Fragen

Welche KI-Anbieter gibt es in Frankreich, und was garantiert „französisch“ wirklich?

Der bekannteste ist Mistral AI, ein Pariser Unternehmen, das den Assistenten Vibe (früher Le Chat) und offene Modelle entwickelt; dazu kommen LightOn für Unternehmen, die Labore Kyutai und H Company sowie Albert, die KI des französischen Staates, die nur Beschäftigten der Ministerien offensteht. Eine französische KI garantiert ein Unternehmen nach französischem Recht, nicht den Ort, an dem deine Daten verarbeitet werden, und nicht den Hoster, der sie erhält. Prüfe drei Dinge: den Sitz des Anbieters, das Hosting und den Vertrag, den du unterschreibst.

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